Von Jen Wallace und Marc Rickenbach

Ein Tag im pariser Stadtleben

Als Folgeartikel zu unserem Beitrag The Living Theatre press eventberichten wir euch nun von der Abschlussvorstellung, welche von einer bunten Zusammenstellung von Schauspielern nach der Teilnahme an dem zweitägigen “Bilingual Acting Workshop” (Zweisprachiger Schauspielworkshop) aufgeführt wurde. Der Workshop wurde von Judith Malina, der Gründerin des The Living Theatre (1947), persönlich geleitet.

Es gehört zu der Philosophie der Theaterwelt, das Publikum ebenso wie Schauspieler verschiedener Kulturen in das Geschehen zu integrieren.

Vor einigen Jahren wurde das Konservatorium des The Living Theatre in Verbindung mit dem “Bilingual Acting Workshop” in der Lower Eastside in New York gegründet, wodurch eine starke transatlantische Verbindung zwischen New York und Paris geschaffen wurde. Kurse und Workshops wurden unter anderem in Italien, im Libanon und in Korea gehalten.

Der Titel des in Paris aufgeführten aktuellen Stückes lautet “A day in the Life of the City: Paris”. Siebzehn Schauspieler aller Altersgruppen haben an zwei Tagen jeweils sechs Stunden an der Produktion gearbeitet. Das Stück wurde in vier Sektionen geteilt, in welchen kleine Gruppen etwa fünfminütige Auszüge über ein Thema, welches für sie wichtig war, zusammenstellen konnten.

Tom Walker, ein Veteran des The Living Theatre, erklärte uns, dass die Mitglieder zu Beginn der Gruppenarbeit ihre Ideen über Gefühle und Bedürfnisse, welche auf der Bühne entstehen, teilen. Hierbei nimmt die Botschaft an das Publikum Gestalt an. Tom hat besonders hervorgehoben, dass die The Living Theatre Company ihre eigene Ansichtsweise (in Bezug auf ihr Pazifistisches Anarchistisches Revolutionsprogramm, die anarchist revolution agenda) hat, aber dass kein Mitglied dazu gezwungen wird, diesen Standpunkt zu teilen, sondern vielmehr dazu ermutigt werden soll, eine eigene Meinung zu bilden und diese auszudrücken.

Im The Living Theatre ist der Körperausdruck von zentraler Gestalt. Die Schauspieler drehen und winden sich, um somit eine weitere Dimension zu dem von ihnen schriftlich ausgearbeiteten und selbstgestalteten Abschnitt hinzuzufügen. Die Anzahl dieser Intermezzos hält sich jedoch verhältnismässig gering, da es sich hier vor allem um eine Theaterform der körperlichen Expression handelt. Die kurzen Sektionen wurden mithilfe von Bewegung, Stimmlichen und dem hellen Klingen von Glocken in eine Gruppenarbeit gegossen. Diese Momente sind fest in die Tradition des The Living Theatre eingebettet und von jeder der teilnehmenden Gruppen werden neue Facetten zu dem Gesamtwerk hinzugefügt. Somit entstehen unter der Leitung von Judith Malina stets individuelle Einzelstücke. Das Publikum wird hierbei oft in spielerischer Art und Weise in das Stück eingebunden: Für die Abschlussvorstellung wurden die Zuschauer auf die Bühne geholt, um mit den Mitgliedern mit geschlossenen Augen, in einem Kreis aufgereit, zu singen.

Der Gesang erreichte einen natürlichen Klimax und klang dann langsam aus, und wenn es auch schwer war, in dieser ungewöhnlichen Situation ernst zu bleiben, so war es doch eine sehr interessante Erfahrung, welche uns alle schlussendlich zusammengebracht hat, indem keine Trennung mehr zwischen dem Publikum und den Schauspielern zu sehen war.

In dem zweitägigen Workshop waren alle verschiedenen Sorten von Teilnehmern vertreten, von Filmemachern über Studenten zu einer berühmten französischen Schauspielerin und es war zu sehen, dass alle Teilnehmer sehr intensiv an ihrer Performance gearbeitet haben.

Eine Interpretation der Themen durch das Publikum wurde offen gelassen, aber gewiss wurde einem Jeden ersichtlich, dass ein Tag in Paris keine leichte Darseinsform ist.

Wir hoffen sehr, dass das The Living Theatre mit seinem einzigartigen Theaterstil bald wieder nach Paris kommen wird, diesmal hoffentlich ohne die Wartepause von 20 Jahren.

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